DIE I:CO-STORY
Interview für HANDEL HEUTE
mit Stephan Wiegand, Verwaltungsrat der I:Collect AG

Herr Wiegand, welches Kleidungsstück haben Sie zuletzt zur Wiederverwertung zurück gebracht? Wie alt war es? Hingen Erinnerungen daran?
Seit 10 Jahren laufe ich jedes Jahr ein Stück auf dem Jacobsweg nach Santiago de Compostela. In diesem Jahr musste ich mich von meinen Wanderschuhen und Wanderhosen trennen. Erinnerungen bleiben auch immer „in den Klamotten“ stecken. Und es fällt nie leicht sich davon zu trennen. Aber wenn damit etwas Sinnvolles gemacht wird, man kleine karitative Projekte unterstützt und dafür auch noch mit einen Rabatt auf ein neues gutes Kleidungsstück oder Schuhe belohnt wird, fällt es deutlich leichter.
Ich gehe davon aus, dass Sie das Kleidungsstück bei I:CO zurück gebracht haben. Wo war das?
Selbstverständlich profitiert ein I:CO Partnerunternehmen auch von mir persönlich. Meine Schuhe habe ich bei „RENO“ und VÖGELE Shoe“ meine Hose bei „Mammut“ abgegeben und selbstverständlich habe ich die erhaltenen Gutscheine direkt wieder eingesetzt und den Partnern Umsatz generiert!
I:CO ist ein Sammelsystem für ausgediente Kleider und Schuhe. In kurzen Worten: Woher stammt die Idee und welches war der wichtigste Antrieb dazu?
Die Idee ist das Thema unserer Zeit, alles was ausgedient hat zu recyceln und alle Rohstoffe in einem EWIGEN Kreislauf zu halten. Nur so können wir die Umwelt nachhaltig verbessern und die meisten unserer kritischen Umweltthemen in den Griff bekommen.
Das ist eine große Aufgabe für alle Branchen und jeden Konsumenten.
I:CO kümmert sich direkt um die Bedürfnisse der Konsumenten rund um das Thema ausgediente Schuhe und Textilien. Unser Leitgedanke ist: Nur wenn wir es schaffen den Konsumenten einzubinden, mitzunehmen wird sich etwas ändern. Wir brauchen keine neuen Regeln, was wir brauchen ist ein Bewusstseinswandel. Umweltbewusstsein soll einfach sein und SPASS machen!
So ist I:CO dem Konsumenten auf den Leib geschneidert: Wer I:CO nutzt: Verhält sich positiv seiner Umwelt gegenüber, zeigt soziale Verantwortung und er erhält eine Belohnung für sein positives Verhalten.
Weshalb macht es Sinn, alte Schuhe und Kleider zu recyclen und so die Rohstoffe im Wiederverwertungskreislauf zu halten?
Wir wissen, dass geschätzte 20 Mio. Tonnen ausgediente Textilien und Schuhe in der ersten Welt jährlich entsorgt werden. Davon werden nur ca. 5 Mio. Tonnen von privaten oder karitativen Organisationen erfasst. Der Rest von ca. 15 Mio. Tonnen landet sinnlos im Hausmüll. Es macht Sinn der Umwelt zu liebe alles in einem Wertstoffkreislauf zu halten, Müll vermeiden und so ganz nebenbei die Ressourcen unseres Planeten zu schonen.
Spielen wir I:CO doch mal durch: Mein altes paar Schuhe hätte ich beinahe in den Müll geworfen. Nun aber entschliesse ich mich, es in einen Laden zurück zu bringen, in dem es eine Sammelstelle von I:CO hat. Was tu ich im Laden?
Sie können im Handel auf 3 verschiedene I:CO Systeme treffen:
Der I:Counter
ist ein elektronisches Gerät. Sie werfen Ihre Kleidung oder Schuhe ein und der I:Counter gibt einen Gutschein aus der beim nächsten Einkauf eingelöst werden kann.
Das I:CO Display
ist eine Box ohne Elektronik und steht in der Regel in der Nähe des Kassenbereiches. Nachdem Sie etwas eingeworfen haben wird Ihnen der Gutschein vom Personal persönlich übergeben.
Die I:CO BOX
ist für den Kunden nicht sichtbar und befindet sich hinter dem Kassenbereich. Die Abgabe der Textilien und Schuhe erfolgt direkt beim Verkaufspersonal.
Nun habe ich etwas fürs gute Gewissen getan. Erhalte ich darüber hinaus eine Belohnung, wenn ich I:CO benutze?
Wie schon gesagt wird der Kunde der I:CO nutzt für sein vorbildliches Verhalten mit Gutscheinen für seinen nächsten Einkauf belohnt. Ein Gutschein hat einen Wert von einem Franken. Wie viele Gutscheine der Kunde erhält entscheidet jeweils der Händler (das I:CO Partnerunternehmen). In der Regel einen Gutschein pro ein Paar Schuhe oder 1 – 3 Gutscheine je nach abgegebener Menge Volumen, Gewicht oder auch nach Einzelnem Kleidungsstück.
Darüber hinaus bekommen Sie zu bestimmten Zeiten besondere Angebote.
Zum Beispiel: Im Zeitraum von einer Woche in bestimmten Filialen, so viel wie möglich Schuhe oder Textilien abzugeben. Der jenige der am meisten abgegeben hat, erhält einen 50,- Franken Warengutschein. Diese Aktionen werden auf unserer Website rechtzeitig angekündigt. Es lohnt sich also regelmäßig reinzuschauen auf www.ico-spirit.com.
Die Schuhe liegen in der Sammelbox. Was geschieht nun damit? Wie funktioniert das Recycling?
I:CO arbeitet weltweit mit allen Paketdienstleistern und nutzt bestehende Logistikwege. Ein Paketdienstfahrer nimmt bei seiner täglichen Auslieferungsfahrten volle I:CO Boxen auf, leitet diese an unsere Sortierwerke weiter. Damit haben wir eine sehr effektive 24 Stunden Logistik mit einem kleinst möglichen CO2 Footprint.
In unseren Sortierbetrieben wird jedes paar Schuhe und einzelne Kleidungsstück analysiert und die Weichen für die Weiterverarbeitung gestellt.
Inwiefern ist das Recycling wie von Ihnen beschrieben «fachgerecht» und «umweltschonend»?
Fachgerecht weil jährlich Z ER-QMSG zertifiziert. Umweltschonend in erster Linie weil jedes ausgediente Kleidungsstück, das im Kreislauf verbleibt die Umwelt schont.
Und was braucht es nun noch, damit meine alten Schuhe sozusagen wieder zu einem neuen paar Schuhe werden?
Das einfachste wäre, wir würden alle nur noch in Einkomponenten Schuhen herumlaufen (z.B. FLIP FLOPS). Aus einem Plastikschuh wieder einen Plastikschuh zu machen ist eine einfache Übung (UPCYCLING). Da das unrealistisch ist, müssen wir den langen und schwierigen Weg der wissenschaftlichen Weiter und Neuentwicklungen gehen. Derzeit kann man aber bereits ein DOWNCYCLING betreiben. Aus einem Turnschuh wird z.B. eine Laufbahn oder Unterlage für Kinderspielplätze.
Das allerwichtigste ist, das bereits bei der Produktion eines Schuhes an die Zeit zu denken wenn er einmal ausgedient hat. Zurzeit werden ca. 40 verschieden Komponenten für einen normalen Straßenschuh verwendet. Diese wieder von einander zu trennen ist derzeit nicht möglich. Wir arbeiten intensiv mit verschiedenen Industriepartnern aber auch Universitäten an wirtschaftlich umsetzbaren und industrietauglichen Lösungen.
Welches sind für diese Recycling-Prozesse ihre wichtigsten Industriepartner?
Alle unsere aktuellen I:CO Partnerunternehmen stehen hinter unserem großen Thema und unterstützen die notwendigen Entwicklungen. So werden wir die ersten Artikel noch in diesem Jahr auf den Markt bringen können. Wir arbeiten derzeit an einer Einkaufstasche, Schuhlöffeln und Fußmatten.
Darüber hinaus arbeiten wir unter anderen eng mit der Automobilindustrie zusammen, die unsere wieder gewonnenen Rohmaterialien z.B. zu Hutablagen, Dämmstoffe und Isoliermaterialien weiter verarbeitet.
Der wichtigste Aspekt ist allerdings immer der Konsument. Je stärker der Konsument darauf achtet im „Kreislauf“ zu denken, umso schneller werden wir entsprechende Produkte im Handel vorfinden.
Wie steht I:CO zum Thema sozialen Verantwortung und karitative Projekte?
Soziale Verantwortung hat bei I:CO einen sehr hohen Stellenwert. Heute hat jedes Unternehmen in allen Branchen die Pflicht auch soziale Verantwortung zu tragen. I:CO und seine Partner zeigen das vorbildlich durch „CharityStar“. Für jedes kg gesammelter Schuhe und Textilien spendet jedes I:CO Partnerunternehmen 2 € Cent an CharityStar. Auf der Website www.charitystar.com tickt eine Spendenuhr in die Höhe. Ist diese mit 1.000,- € gefüllt wird der Betrag an ein kleines karitatives Projekt ausgeschüttet.

Derzeit finden Sie 70 verschiedene kleine Projekte auf der Seite. Der Kunde kann auf der Website seine Stimme abgeben und mitbestimmen wer die 1.000,- € erhält. Soziale Verantwortung in einer sehr direkten und effektiven Art. Jeder Kunde, jeder User hat darüber hinaus die Möglichkeit sein kleines Projekt einzustellen und die I:CO Community darüber abstimmen zu lassen. Jedes Projekt hat eine gute Chance 1.000.- € zu bekommen. Zurzeit schütten wir monatlich 1 – 2 mal 1.000,- € aus. In naher Zukunft wollen wir diesen Betrag täglich im Namen unserer Partner spenden.
Fürs Sammeln setzen Sie auf den Detailhandel. Seit der Lancierung von I:CO im Februar 2009 sind Sammelstellen bei Vögele Shoes, Bingo, Max Shoes, Reno und anderen entstanden. Welches ist die Motiviation für ein Handelsunternehmes bei I:CO mitzumachen?
Der moderne Kunde möchte ohne seine Gewohnheiten zu verändern, mit einem guten Gewissen konsumieren, soziale Verantwortung tragen und dann auch noch dafür belohnt werden. Genau das bietet I:CO jedem Händler als „rund um sorglos Paket“ kostenlos an.
Händler und Kunden in einer starken Gemeinschaft, für eine bessere Welt in sozialer Verantwortung, das ist alleine schon eine starke Motivation.
Darüber hinaus muss sich jedes Unternehmen in Zukunft die Frage stellen: Wie halte ich es mit dem Kreislaufgedanken?
Das Thema „EWIGER KREISLAUF“ ist weltweit gesetzt und unumstritten die Lösung für die meisten unserer Umweltthemen. Ameisen bringen 4-mal soviel Gewicht auf unseren Planeten als der Mensch, aber alles was Ameisen produzieren steht im Kreislauf, sie sind nützlich. Ein Unternehmen das I:CO einsetzt ist Teil einer Lösung und nicht mehr Teil des Problems.
Eine TOP Motivation sind sicher auch die Ergebnisse der ersten Analysen. Diese haben gezeigt, das der Kunde der I:CO nutzt der umsatzstärkste Kunde ist, also im Durchschnitt den höchsten Einkaufsbon verursacht. Darüber hinaus scheint eine Umsatzsteigerung von 2% bis zu 5% möglich zu sein.
Welche Bedingungen müssen Detailhändler erfüllen, damit Sie bei I:CO mitmachen können?
Die Bereitschaft mitzuhelfen, die Welt zu verbessern und einen halben qm Fläche im Verkaufsraum.
Seit gut anderthalb Jahren sammeln Sie in der Schweiz nun alte Schuhe und Kleider. Wie fällt Ihre Bilanz aus? Von welchen Mengen recycelter Schuhe und Kleider sprechen wir?
Unsere Piloten in der Schweiz sind ausnahmslos positiv. Die Konsumenten sind begeistert und geben derzeit ca. 1-2 Tonne täglich ab.
I:CO gibt es auch in Deutschland und Österreich. Wie sammelfreudig sind die Schweizerinnen und Schweizer im Vergleich?
Die Schweizer Bürger und Bürgerinnen sind im Vergleich aus unserer Sicht besonders umweltbewusst und geben auf die einzelne Annahmestelle gesehen ca. 10 % mehr in den Kreislauf zurück.
Wie viele Sammelstellen führt I:CO derzeit in der Schweiz? Und wie viele sind es in Deutschland und Österreich?
Derzeit sind es rund 2.000 Sammelstellen. Davon 350 in der Schweiz 1.000 in Deutschland und 200 in Österreich. Der Rest verteilt sich in aktuell laufenden Pilotprojekten mit verschiedenen Unternehmen in Europa.
Wie viele Sammelstellen sollen es bis Ende 2010 sein und wie sehen die diesbezüglichen Zielsetzungen für die Zukunft in diesen drei Ländern aus?
Wenn alle Unternehmen mitmachen, die bis heute Interesse bekundet haben und zum Teil bereits in Pilotfilialen das I:CO Konzept testen, kommen wir bis zum Jahresende auf ca. 5.000 Filialen.
Soll I:CO auch in anderen Ländern lanciert werden? Wann? Wo? Mit wie vielen Sammelstellen rechnen Sie?
Wir haben die Einführungsphase sehr erfolgreich abgeschlossen und befinden uns mitten in der internationalen Ausweitung des I:CO Konzeptes. Aktuell werden derzeit bearbeitet: Niederlande, England, Luxemburg und Amerika. Gerade der amerikanische Markt zeigt ganz besonders starkes Interesse und verspricht ein sehr großer Erfolg zu werden.
Bis 2011 wollen wir insgesamt 13.000 Filialen angeschlossen haben. Unsere Planung bis 2017 sind 135.000 Filialen weltweit.
Da Sie noch Ideen suchen: Bedeutet dies, dass Sie heute noch nicht in der Lage sind, effektiv 100 Prozent aller Textilien und Schuhe, die mit I:CO gesammelt werden, zu recyclen? Weshalb nicht?
Zurzeit können weltweit nur etwa 15% aller erfassten Mengen recycelt werden.
Unsere Unternehmensgruppe schafft bereits 31%. Ca. 62 % werden in den Bereichen Reuse und Rewear verarbeitet und 7% der thermischen Verwertung zugeführt. Davon müssen 3% leider derzeit noch konventionell entsorgt werden. Aber unser bestreben reicht deutlich weiter, nicht nur 100% Recycling, sondern auch das Halten aller Rohstoffe (wie schon gesagt) in einem EWIGEN KREISLAUF ist das große Ziel. Wir suchen ständig nach neuen Ideen Textil und Schuh Recycling weiter auszubauen und zu verbessern.
Im Wesentlichen fehlt es einfach noch an Einsicht der Industrie, zur Produktion von neuen Waren jeglicher Art zu allererst recycelte Rohmaterialen zu berücksichtigen. Aber mit steigender Erkenntnis, das wir nicht endlos den Planeten ausbeuten können und mit dem damit einhergehenden Druck der Konsumenten sowie der zu erwartenden Rohstoffknappheit und damit steigenden Rohstoffpreisen werden wir 100% schaffen.
Wann wollen Sie soweit sein?
Unser Ziel ist klar, bis spätestens 2030 alle Sammelmengen zu recyceln und in einem ewigen Kreislauf zu halten. Jeder abgegebene Schuhe jede Textile trägt dazu bei und hilft uns dieses Ziel zu erreichen.
Sie haben jüngst den Forschungspreis «I:CO Award» lanciert, um neue Ideen für das Schuh- und Textilrecycling zu erhalten? Wo liegt das Problem? Weshalb besteht diesbezüglich Bedarf?
Damit wir unser großes Ziel 2030 erreichen können benötigen wir neue Recyclingideen und neue Märkte für Rohstoffe aus recycelten Materialien sowie Recyclingartikeln. Aus diesem Grund haben wir den I:CO AWARD ausgeschrieben. Dieser belohnt neue Ideen mit 5.000,- € und wird jährlich im Rahmen von Umweltmessen verliehen.
Hat der ausgeschriebene Forschungspreis bereits spannende Ideen gebracht? Können Sie 1-2 kurz/grob schildern?
Eine spannende Idee ist ganz sicher der Prallreaktor. Das Prinzip ist eigentlich simpel: „Werfe einen Schuh nur lange und schnell genug an eine Wand und irgendwann lösen sich die Verbindungen in die ursprünglichen Bestandteile und können wieder eingesetzt werden.“ Wir prüfen im Moment die Funktionen des Reaktors. Erste Ergebnisse sind vielversprechend.
Da sie offensichtlich noch nicht soweit sind 100 % zu recyceln, sollten Sie da mit dem Sammeln nicht noch etwas warten?
15 Mio. Tonnen Textilien und Schuhe haben als wertvoller Rohstoff auf dem Hausmüll nichts zu suchen. Unsere Unternehmensgruppe hält heute bereits 93 % in einer Verwertung. Was im Moment nicht recycelt werden kann sollte zumindest weitergetragen (REWAER) oder irgendwie genutzt werden. Wenn es am Ende nur der Einsatz als Putzlappen ist (REUSE). Von elementarer Bedeutung ist, das wir einen Materialfluss haben. Ohne einen funktionierenden Warenstrom (egal wohin er auch im Moment fließt) ist nichts in eine richtige Richtung zu kanalisieren.
Wohin geht die Bekleidung die weitergetragen werden soll?
Tragbare Kleidung und Schuhe werden weltweit vermarktet. Unsere Unternehmensgruppe ist auf allen relevanten Märkten aktiv.
Betreiben Sie damit nicht eine Art Müllverlagerung in die Länder, die wirtschaftlich nicht so stark sind?
Es ist unbestritten, das Textilien und Schuhe die noch in Ordnung sind und weiterverwendet werden könnten, so lange es geht auch weiterverwendet werden sollten. Wichtig ist nur, das weltweit ein dichtes Netz von Recyclingmethoden entsteht und nichts letztendlich im Müll landet. Wir wollen dafür sorgen, dass in allen Ländern weltweit Recyclingwerke aufgebaut werden. Ab einer Sammelaufkommen von 300 bis 500 Tonnen täglich ist das heute schon möglich ein Sortierwerk innerhalb unserer Unternehmensgruppe in jedem Land dieser Welt aufzubauen.
Sehe ich das richtig, finanzieren wirtschaftlich schwächer Länder damit weltweit die Recyclingmethoden von Morgen?
Diese Märkte sind für uns alle sehr wichtig und wir können sehr froh sein, dass sie existieren und funktionieren. Schauen wir doch mal auf die Indrustrieländer, hier ist heute niemand bereit für die fachgerechte Entsorgung eines Kleidungsstücks oder Schuhs zu zahlen. I:CO übernimmt nun die Verantwortung, das die Entwicklung in die richtige Richtung geht. Nur über existierende Warenströme können Analysen erstellt werden und neue Methoden erfolgreich getestet und etabliert werden.
Die Zeit des reinen Abschiebens von ausgedienten Textilen und Schuhen in wirtschaftlich schwächere Länder ist mit I:CO endgültig vorbei. So hat diese Vorgehensweise einen doppelten positiven Effekt.
Erstens werden diese Länder mit „second hand“ Textilien und Schuhen wirtschaftlich unterstützt. Ein ganz neuer Industriezweig hat sich bereits parallel zu den Warenströmen in vielen Ländern entwickelt. Millionen von Menschen weltweit leben davon.
Und zweitens wird damit sichergestellt, dass der geschlossenen Wertstoffkreislauf finanziert und organisatorisch durchführbar ist. Bestehende Warenströme müssen überwacht und in die „RICHTIGEN“ Wege kanalisiert werden. Und genau dieser Punkt ist das NEUE, der Weg zu einem gesunden Planeten.
Würden Sie mir das Bitte anhand von einem Beispiel deutlich machen?
Sehr gerne. Nehmen wir einmal an ein kleines Unternehmen in der Nähe von Manchester in UK hat eine Methode zum Recycling von Seidenhandschuhen, die von Damen gerne in der Oper getragen werden, entwickelt. Das gesamte Aufkommen dieses Artikels ist weltweit gesehen etwa 5 – 10 Tonnen pro Jahr. Also im Promille Bereich sehr sehr wenig.
Sobald sich irgendwo auf der Welt eine neue Recyclingmethode herauskristallisiert, versuchen wir alles um die Warenströme in diese Richtung zu kanalisieren. An diesem Beispiel Seidenhandschuh können Sie die Komplexität erkennen.
Es muss jemand da sein der folgende Fragen stellt und vor allem auch beantwortet:
Sollten alle weltweit gesammelten Seidenhandschuhe nach Manchester geliefert werden?
Ist die Seidenhandschuh produzierende Industrie bereit den wieder gewonnenen Rohstoff zurückzunehmen und für neue Handschuhe einzusetzen?
Gibt es andere Unternehmen, die diesen Rohstoff für die Produktion von neuen Produkten brauchen können?
Sollte das neue Seidenhandschuh Verfahren in allen Ländern etabliert werden?
Was ist zu tun um den CO2 Footprint niedrig zu halten?
Gibt es Logistik Synergien die genutzt werden können?
Etc.
Wie wollen Sie sicherstellen, dass das wirklich auf Dauer funktioniert?
Wir setzten hierbei ganz auf die Kraft der Märkte im Spannungsbogen von Angebot und Nachfrage. Lässt sich etwas rechnen, entsteht Dynamik und Bedürfnisse. Vor dem Hintergrund schwindender Rohstoffreserven werden wir uns in Zukunft Müllhalden nicht mehr leisten können. Das ist heute bereits in vielen Bereichen z.B. Plastik oder Papier zu sehen.
Das heißt also, das Sie mit dem eigentlichen Recyclingprozess gar nichts zu tun haben?
Unsere Kernkompetenz liegt
ERSTENS beim Sammeln und kanalisieren der weltweiten Warenströme
Und
ZWEITENS im Sortierprozess innerhalb unserer Unternehmensgruppe.
Derzeit sortieren unsere Mitarbeiter per Hand nach 400 unterschiedlichen Kriterien. Über diesen Vorgang können wir jeden gewünschten Artikel ausfindig machen und zielgerichtet weiterleiten. In manchen Bereichen gehen wir auch noch einen Schritt weiter und liefern zum Beispiel bestimmte Kleidung gerissen und in spezieller Zusammensetzung, weiterverarbeitet als Rohmaterial für Posterstoffe oder Dämmmaterialien für die Autoindustrie. Die Produktion von neuen Artikeln ist Aufgabe der vielen unterschiedlichen Spezialisten von T-Shirt bis Badeschuh.
Demnach sind wir wichtiger Bestandteil des Recyclingprozesses.
Demnach sollte ich als Produzent eines Artikels bereits an die Wiederverwendung von meinen Produkten denken wenn diese ausgedient haben?
Exakt, das wäre perfekt!
Also wenn ich ein T-Shirt Produzent wäre, könnte ich meine T-Shirts, wenn diese ausgedient haben, von Ihnen zurückbekommen und ich könnte neue T-Shirts davon produzieren?
Ja, genau das wäre das Idealziel.
Das ist beeindruckend, aber wie wollen Sie das alles alleine schaffen?
Das ist eine sehr gute Frage! Wir können das nicht alleine schaffen. I:CO ist damit viel mehr als nur ein Sammelsystem für Textilien und Schuhe. I:CO ist auch eine organisatorische Plattform von einem ganz neuen Markt für ausgediente Textilien und Schuhe, der auf Informationsaustausch basiert. Jede neue Recyclingmethode kann nur zielführend sein, wenn Sie publik gemacht wird und nach wirtschaftlichen und ökologischen Gesichtspunkten ausgewertet und eingesetzt wird.
Die Basis der praktischen Umsetzung, ist unsere internationale SOEX Unternehmensgruppe auf die wir direkten Einfluss nehmen können.
Das ist aber ein langer und aufwendiger Weg, gibt es nicht schnellere Methoden um ans Ziel zu kommen?
Das Thema Recycling von Textilien und Schuhen ist so vielfältig wie das Leben. Nach heutigem Stand gebe ich Ihnen Recht, es scheint ewig zu dauern. Aber bedenken Sie, wenn eine Dynamik einmal entstanden ist, kann Sie auch an fahrt gewinnen und immer schneller werden. Vor 10 Jahren hätte sich kein Mensch vorstellen können, das heute jeder ein Handy in der Tasche hat.
Wie lange wird es wohl aus Ihrer Sicht dauern?
Unser Ziel ist 100 % bis 2030. Das heißt wir müssen jedes Jahr 3 bis 3,5 % zulegen. Aber selbst wenn es nur 1% wären, können wir sehr froh sein und uns darüber freuen das unsere Enkel und Ur Enkel spätestens 2100 von unserer Entscheidung heute profitieren können.
Naja, das ist ja eine Ewigkeit. Meinen Sie, dass das Projekt so lange durchhält?
Die Menschheit hat wenige Jahrhunderte gebraucht um unseren Planeten auszubeuten und Großteile der natürlichen Rohstoffreserven aufzubrauchen. Ein Wimpernschlag im Verhältnis zur Erdgeschichte. Es brauch im schlimmsten Fall wieder einen Wimpernschlag alles wieder zu richten.
Ich bin sehr glücklich darüber, dass das Thema „geschlossener Wertstoffkreislauf“ für alle Produkte die der Mensch nutzt und verbraucht weltweit gesetzt ist. Alle großen und maßgeblichen Unternehmen, Umweltorganisationen, Universitäten und selbst Regierungen richten mehr und mehr alles darauf aus. Das ist das, was man als „die nächste industrielle Revolution“ bezeichnen kann.
Auf jeden Fall die „REVOLUTION im KLEIDERSCHRANK“ hat begonnen und ist nicht mehr aufzuhalten.

Was ist I:CO? Jetzt den Film sehen
Tatsache ist: die Meisten von uns haben viel zu viele Sachen. Sachen, die Du kaufst. Sachen, die Du nach Hause bringst. Aber anstatt Deine Sachen einfach wegzuwerfen, wieso gibst Du sie nicht in ihren natürlichen Kreislauf zurück? MEHR

I:CO-Partner
„Wir brauchen neue innovative Konzepte um Ökologie und Ökonomie zusammenzuführen, neue Kunden zu gewinnen und gleichzeitig etwas für die Umwelt zu tun ..." MEHR

